Mittwoch, 4. März 2009

Kamelle, Vampire und Robin Hood

Es gibt einiges zu berichten. Aber ich habe ja auch lange nichts mehr geschrieben. Zumindest lange nichts sinnvolles.
Also, nach einem rettenden Hechtsprung in die Semesterferien (länger hätte das Semester wirklich nicht mehr dauern dürfen, ohne meine Motivation gänzlich zu zerstören), habe ich mir zunächst eine rheinische Auszeit zum Karneval gegönnt. Vernünftigerweise habe ich nur jeden zweiten Tag Gas gegeben um an den Tagen dazwischen, meine Hausarbeit zu schreiben (einer meiner Dozenten wollte die Arbeit tatsächlich schon eine Woche nach Rosenmontag haben... artgerecht wars nicht!). So lautete zumindest der Plan. Leider schreibt es sich mit Kater äußerst schlecht...
Aber kurz zusammengefasst: Weiberfastnacht im "Weißen Holunder", der wohl kölschesten Kneipe an Karneval mit nur wirklich guter Karnevalsmusik fernab von DJ-Ötzi-Schrott und einer illustren Runde wild verkleideter Freunde großartig und gebührend gefeiert.
Samstag, Geisterzugtag. Nachdem wir mit einer gesamten Straßenbahnladung Alternativkarnevalisten erstmal aufs Feld zwischen Bonn und Rodenkirchen gekippt wurden, weil die 16 kaputt war, ging's dann mit der noch volleren Bahn weiter bis zum Geisterzug, der sich dieses Jahr durch die Villenviertel des reichen Rodenkirchens schlängelte. Leider hatten wir durch das Straßenbahndesaster den Anfang vom Zug verpasst und mussten so mit der erstbesten Trommelkapelle vorlieb nehmen. War okay. Allerdings wurde hinterher alles wieder herausgerissen, durch die großartige Abschlusssession unter der Rodenkirchener Brücke.
Montag dann nur soviel: erstes Bier 11:30 Uhr, letztes Bier gegen 1:10 Uhr nachts. Dazwischen Karnevalszug in Bonn in der Altstadt genossen, auf der Reggae Party getanzt, im Billabonn zerquetscht worden, aus der Kneipe gefallen, spontan alleine nach Köln gefahren, dort auf Marens Party noch betrunkenere Leute getroffen, danach restliche Freunde nach Odyssey am Rudolfplatz gefunden, neue schwule Freunde mit goldenem Köfferchen gefunden in Manni's Rästorang mir selbst den Rest gegeben und bierselig mit der ganzen Kneipe im Arm lauthals Karnevalslieder gesunden, Wort für Wort, ohne den Text zu kennen...
Dienstag dann mit dem Kater des Todes aufgewacht. Zu viel war ich nicht fähig. Immerhin habe ich mich dann mit letzter Kraft in den Bus zu meinen Eltern geschleppt, wo ich zusammen mit meiner aufkeimenden postkarnevalistischen Halsentzündung die ersten Seiten der Hausarbeit zusammen gezimmert, der ich dann am Montag lieblos den Rest gegeben habe. Keine Ahnung, wie schlecht die Hausarbeit jetzt wirklich war (ich hab nicht nochmal drüber gelesen, ein bißchen Rock N Roll muss sein), aber ich bin trotzdem stolz, dass ich sie trotz Karneval, Berghain am Wochenende darauf (Berlins bester, lautester, legendärster Technoclub) und Besuch von einer lieben lieben Freundin geschafft habe.
Achja, und als ob oben genannte Dinge nicht schon genug sind, habe ich auch noch mein Erasmus Semester im kommenden Winter in die Bahnen gelenkt. Australien und Amerika hat leider nicht geklappt. Die Idioten vom Uni-Auswahl-Ausschuss fanden mich wohl nicht toll genug (selbst schuld!). Deshalb gehe ich nun im Winter nach Nottingham in England. Ich bin sehr gespannt. Bin da mehr oder weniger reingerutscht und muss mich nun erstmal mit dem Gedanken anfreunden. Aber ich bin gespannt und freue mich auf Abwechslung. Und wenn mir die Uni da zu blöd ist, kann ich ja immer noch im Wald in Strumpfhosen reiche Menschen überfallen um den Armen zu geben... (und sonst fährt für die Großstädterin in mir ein Zug in 2 Stunden nach London).
Gestern Abend waren wir mal im Kino der besonderen Art. Im Babylon, in Berlin Mitte, finden immer wieder Stummfilmkonzerte statt. Gestern gab es Nosferatu aus den 20er Jahren, live begleitet von Chor, Sopran und Klavier. Das war wirklich ganz toll. Erst hatte ich ja ein wenig Angst, mich zu gruseln, aber dann habe ich festgestellt, dass die Vampire der 20er doch eher niedlich sind und hätte den Grafen am liebsten in den Arm genommen. Kann ich auf jeden Fall nur jedem empfehlen, der in nächster Zeit mal nach Berlin kommt. Im Babylon gibt es auch eine 80 Jahre alte Kinoorgel, mit der teilweise auch die Stummfilme synchronisiert werden. Ziemlich einzigartig und bestimmt beeindruckend.
Wir haben jedenfalls noch lange nach dem Film bei jeder Gelegenheit Nosferatur-Schattenspiele gemacht.

Keine Kommentare: