Montag, 21. Januar 2008

Der größte Linoleumfussboden der Welt, Jurassic Punks und ein Auswärtssieg

Wochenendbesuche haben unter anderen die Annehmlichkeit, dass man sich auch nochmal aus seinem Viertel rausbewegt und sich ein paar Sehenswürdigkeiten anschaut. Da es aber das ganze Wochenende Kuhscheiße geregnet hat, wurden wir praktisch gezwungen ausschließlich Überdachtes zu besichtigen.
Inspirierend war der Besuch des Flughafens Tempelhof. Für mich außerdem aufschlußreich, ob ich mich dem allgemeinen Trend in meiner grauhaarigen Nachbarschaft anschließen soll und in die Protestchöre einstimmen soll, die gegen die Schließung den Flughafens wettern. Ich kann Sie verstehen, die betagten Damen und Herren, die noch persönlich von der Luftbrücke von manch einer Hungersnot gerettet wurden. Für den Rest der Bevölkerung ist das einfach nur ein riesengroßer Klotz (Max Goldt schrieb einmal über Tempelhof, es sei der wahrscheinlich größte zusammenhängende Linoleumfußboden der Welt), wo eigentlich nichts mehr passiert. Wir haben in der Zeit, die wir diesen Nazi-Prachtbau besichtigt haben einen Fluggast gesehen, der entweder nach Graz, Mannheim oder Brüssel geflogen ist. Mehr Flugziele gab es nicht. Die restlichen Menschen waren wohl aus dem selben Grund wie wir dort: "Nochmal schnell gucken, bevor der zu macht.". Nachdem wir auf der Suche nach noch mehr Nostalgie, in dem verwirrendsten Treppenhaus der Welt verloren gegangen waren, ließen wir uns wieder draußen nassregnen, gings weiter mit Currywurstnostalgie bei Konopke. Aber ich bin mir sicher, dass irgendwo in diesem Komplex noch ein paar Nazi-Funktionäre arbeiten, die einfach nicht mitbekommen haben, dass Ihre Zeit schon seit über 60 Jahren vorbei ist. Mein alternativer Nutzungsvorschlag: Austragungsort für die Weltmeisterschaft im Verstecken.






Abends dann noch ein bißchen Nostalgie. Zumindest für den Besuch Sascha. Für mich wohl eher eine Lektion in Punk-Geschichte, denn mir waren die UK Subs und The Vibrators kein Begriff. Trotzdem habe ich mich mutig im Kreuzberger SO36 (noch mehr legendärer Kram) zwischen die Familienväter gestellt, die nach langer Zeit nochmal Ihre Kutten vom Dachboden geholt haben und den Kombi im Carport gelassen haben um sich endlich nochmal auf alte Zeiten wegschädeln zu können. Man musste aufpassen nicht von einem pogenden Mittvierziger überrumpelt zu werden....
Danach waren wir dann wieder unter Altersgenossen im Magnetclub zum fröhlichen Indie-Tanz. Wenn man da ein Lied verpasst hat, einfach rüber auf den anderen Floor. Das war sozusagen die Timeshift-Funktion. Da liefen die Lieder irgendwie nur Zeitversetzt.

Um das Trio der bald ausrangierten einstigen Helden zu vervollständigen war Sonntag Eishockey im Wellblechpalast, der bald gegen die gigantische O²-Arena ausgetauscht wird. Da stand ich dann schon wieder eingezwängt zwischen Familienväter, die diesmal in Duisburger Eishockeytrikots gehüllt waren, aber Promillemäßig den Altpunks in nichts nachstanden und zu ca. 20 Leuten versucht haben, den Gröhlcontest gegen die restlichen 4980 Eibären-Fans zu gewinnen. Das war unmöglich. Was allerdings gelang, war der Sieg der Duisburger Füchse (Tabellenletzter) gegen die Eisbären (Tabellenerster). Davor ziehe ich meinen Hut. Wenn Ihr im RBB Bilder von den feiernden 20 Auswärtsfahrern seht, achtet auf das hilflose Gesicht mittendrin. Das bin ich.


So, und jetzt wird Systemtheorie gelernt!... Na gut, noch ein Bild...

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